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Zentralen Speicherkanal:

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Das Grazer Kanalnetz:

In Graz ist, wie in den meisten größeren Städten, die Mischwasserkanalisation vorherrschend. Das bedeutet, dass sowohl Regen- als auch Schmutzwässer gemeinsam abgeleitet werden. Regenwasser von Straßen- und Dachflächen mischt sich somit im Kanal mit dem Schmutzwasser der Grazer Haushalte.
Bei starken Regenereignissen können jedoch nicht alle anfallenden Wassermengen zur Kläranlage nach Gössendorf weitergeleitet werden. Zur Entlastung der Kläranlage werden daher sogenannte Mischwasserentlastungen errichtet, wo Wasser in die Mur entlastet werden kann.
Derzeit wird unsere Mur also bei starkem Regen – also durchschnittlich 50 Mal im Jahr in Graz – mit Schmutzfrachten aller Art belastet. Wenn es in Graz also sehr stark regnet, gelangen die Regenmassen, vermischt mit dem Schmutz von den Straßen, zusätzlich zum Abwasser der Grazer Haushalte in den Kanal. Da der Kanal die anfallenden großen Wassermengen nicht vollständig zur Kläranlage überführen kann, geht er über. Folglich fließt das mit Regenwasser verdünnte Schmutzwasser in die Mur.
Unsere Mur wird aber nicht nur an diesen rund 50 Tage belastet. Die Schmutzfrachten, die ungefiltert in unseren Fluss fließen, beeinflussen das ökologische System der Mur nachhaltig, da viele Schmutzstoffe langanhaltende toxische Wirkungen haben.

Dezentrales Regenwassermanagement:

Um die Kanalisation nicht zusätzlich zu überlasten, wird in Graz seit Jahren die Strategie des dezentralen Regenwassermanagements verfolgt. Ziel ist es, durch die Versickerung des Regenwassers die Menge des Mischwassers, das sich im Kanal derzeit ansammelt, zu reduzieren. Vor allem bei Neubauten von Objekten und Neuanlagen von Straßen kommt das dezentrale Regenwassermanagement in Graz zur Anwendung.
Im dichtverbauten Innenstadtbereich ist es allerdings so, dass bereits viele Gebäude und Straßen im Bestand – teils seit Jahrzehnten – am Kanal angeschlossen sind. Eine Änderung dieser Situation ist auch langfristig nicht absehbar, zumal kaum Neubauten in diesem Bereich entstehen. Veränderungen können hier rechtlich gegen die Hausbesitzer nicht durchgesetzt werden und sind zudem meist mit extremen technischen und finanziellen Aufwänden verbunden. Ein weiteres Problem bei dezentralen Anlagen ist die Verunreinigung der Regenwässer. Insbesondere Regenwasser von Straßen kann wegen dessen Verschmutzung (Gummiabrieb, Schwermetalle, Salz etc.) nicht ohne Reinigung versickert werden, da diese Wässer ungefiltert das Grund- und damit das Trinkwasser gefährden.
Somit wird seitens der Graz Wasserwirtschaft seit Jahren eine Doppelstrategie verfolgt: Wo immer es möglich ist wird versucht, Regenwässer vom Kanal fernzuhalten und einer dezentralen Entsorgung zuzuführen. Andererseits zeigt sich, dass sich ein deutlicher Effekt dieser dezentralen Maßnahmen nur sehr langfristig einstellen wird. Für den Bestand und für stark verschmutzte Flächen muss trotzdem eine Mischwasserbewirtschaftung verfolgt werden, die in weiterer Folge eine sinnvolle Speicherung, wie den ZSK, benötigt. Diese Kombination von Maßnahmen deckt sich auch mit dem Stand der Technik und den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft.
Quelle: Österreichischer Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV), Regelblatt 19: Richtlinien für die Bemessung von Mischwasserentlastungen. 2007.

Funktionsweise des ZSK:

Der ZSK wird über ein Speichervolumen von 94.000m³ verfügen, wodurch der Speicherraum im Kanalnetz mehr als verdoppelt wird. In Abständen von circa einem Kilometer werden Kaskadenbauwerke errichtet, in denen die Speicherung der Mischwässer gesteuert und dieses nach und nach in die Kläranlage weitergeleitet wird. Sobald das Wasser ansteigt, verriegeln so genannte hydraulische Wehre die Speicherabschnitte und ermöglichen so, dass der Kanal sein volles Speichervolumen aktiviert. Das Wasser wird nach dem Ende des Regens, wenn wieder Ressourcen in der Kläranlage frei sind, langsam direkt in die Kläranlage weitergeleitet.

Durch den ZSK wird die Anzahl der Tage, an denen es zur Mischwasser-Einleitung in die Mur kommt, um 80 Prozent reduziert. Konkret bedeutet das, dass dies nur noch an rund 10 Tagen im Jahr passieren wird. Die Wasserqualität der Mur wird dadurch also verbessert und das Stadtbild insgesamt verschönert.

Variantenuntersuchungen:

Mit den ersten Untersuchungen zur Mischwasserproblematik wurde im Jahr 2003 begonnen (2006 abgeschlossen). Mithilfe einer Langzeit-Simulation des Grazer Kanalnetzes, in der die Abfluss- und Schmutzfrachtmengen über viele Jahre anhand von tatsächlich gemessenen Niederschlägen minutengenau ermittelt wurden, konnte nachgewiesen werden, dass für Graz umfangreiche Maßnahmen notwendig sind, um den Stand der Technik zu erreichen. (Berechnung entsprechend ÖWAV Regelblatt 19: Richtlinien für die Bemessung von Mischwasserentlastungen. 2007.)

In einer darauffolgenden Variantenuntersuchung wurden die verschiedenen Möglichkeiten umfassend beleuchtet.
Dabei wurden sowohl die Schaffung von zusätzlichem Speicherraum (ca. 100.000m³ erforderlich) in mehreren Varianten als auch die Erhöhung des Kläranlagenzuflusses, die Auftrennung der Mischwassersysteme und die Reduktion der Einzugsflächen in unterschiedlichen Varianten untersucht.

Für die Bewertung wurden die folgenden Kriterien zugrunde gelegt:

  • Technische Machbarkeit
  • Rechtliche Machbarkeit und Durchsetzbarkeit
  • Baukosten und Betriebskosten
  • Redundanz zu den Hauptsammlern
  • Beseitigung von Überlastungen
  • Beeinträchtigungen von Naturraum
  • Beeinträchtigungen der Bevölkerung
  • Beeinträchtigungen des Grundwassers etc.

Im Zuge der detaillierten Variantenuntersuchung zeigte sich unter anderem in vielen dezentralen Varianten, dass diese insbesondere im Bereich des Bestandes grundsätzliche Nachteile aufweisen.

So zeigte sich beispielsweise, dass die Variante der Auftrennung der Mischsysteme in den inneren Stadtbezirken rechtlich nicht durchführbar ist, da die Hausbesitzer nicht verpflichtet werden können, die bestehenden Mischwasseranschlüsse umzubauen. Zudem müssten dabei annähernd 70% aller Straßen im Stadtgebiet mit einem weiteren Leitungssystem ausgerüstet werden. Auch die großflächige Versickerung von Flächen scheitert an verfügbaren Flächen für die erforderlichen Reinigungsanlagen (Straßen) und der rechtlichen Durchsetzbarkeit (Privatflächen). Zudem zeigten diese Varianten massive Kostennachteile, insbesondere im Bereich der Betriebskosten.

Die untersuchten Speichervarianten, wie beispielsweise dezentrale Speicherbecken und andere Trassenüberlegungen für Speicherkanäle, zeigten ebenfalls – teils massive – Kostennachteile.

Als Ergebnis dieser Variantenbetrachtungen stellte sich als beste Lösung das Konzept der Errichtung eines Zentralen Speicherkanals heraus.

Wo, wie viel und wann wird gerodet?

Der ZSK wird in den kommenden drei Jahren jeweils im Herbst/Winter errichtet. Gerodet wird großteils erst in den Saisonen 2018/19 und 2019/20. Insgesamt müssen 839 Bäume entfernt werden. Gerodet wird im Norden ein rund 5 Meter breiter Streifen wasserseitig entlang der Uferpromenade am linken Murufer. Im Süden wird die vorhandene Böschung zwischen Hortgasse und Puntigamerbrücke im Zuge der Bauarbeiten genutzt.

Der Augarten bleibt vollkommen unangetastet. Alle Bäume werden nach Abschluss der Bauarbeiten auf die Zahl genau wieder nachgepflanzt und über dem ZSK dürfen auch beliebig große Bäume wachsen. Es geht also kein Baum verloren!

Technische Vorschriften und Rechtslage:

Das Konzept des ZSK beruht auf EU-Vorgaben zum Schutz der Gewässer, die sogenannte Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, Richtlinie 2000/60/EG). Dort wird u.a. die Reduzierung des Eintrages von Schmutzfrachten in Fließgewässer gefordert. In Österreich erfolgt die Umsetzung der Regelungen unter anderem über das Wasserrechtsgesetz (WRG). Auf technischer Ebene wurde als Konkretisierung des WRG §12a von den Fachexperten des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbandes im Regelblatt 19 (2007) des ÖWAV (Österreichischer Wasser- und Abfallverband) zur Bemessung von Mischwasserentlastungen festgelegt. Nach diesem Regelblatt ist der Stand der Technik durch das Erreichen eines Mindestwirkungsgrades der Weiterleitung des bei Regenwetter in der Mischwasserkanalisation zur Kläranlage abzuleitenden und dort mitzureinigenden Regenwassers vorgegeben. Dieser müsste für Graz im Jahresdurchschnitt hydraulisch ca. 55 % betragen. Heißt konkret: Im Jahresdurchschnitt müssten 55 % aller bei Regenwetter in die Kanalisation abgeleiteten Regenwässer in der Kläranlage gereinigt werden. Bei den zwangsweise im Abwasser enthaltenen Abfiltrierbaren Stoffen (AFS) müsste dieser Wert sogar 70 % betragen.

In Graz halten wir hydraulisch und auch beim AFS unter 30 %, da die Grazer Kanalisation derzeit über nur sehr wenig Zwischenspeicherraum verfügt. Die Grazer Kanalisation entspricht derzeit also noch nicht dem Stand der Technik, weshalb der ZSK notwendig ist, da er genau diesen Zwischenspeicherraum schafft.