Wie ist der derzeitige Stand der Kanalisation in Graz?

Derzeit wird Graz durch ein Kanalnetz mit rund 860 km Länge entsorgt, rund 70 Prozent davon im Mischsystem. Das bedeutet, dass Regen- und Schmutzwässer im gleichen Rohr abfließen. Die bei Starkregen anfallenden Wassermengen können jedoch aufgrund der Kapazitäten nicht gleichzeitig in die Kläranlage geleitet werden. Daher gibt es auch 35 Entlastungen an der Mur, die jedoch bei Starkregen das Schmutzwasser in die Mur leiten.

Warum brauchen wir einen Zentralen Speicherkanal?

Der Zentrale Speicherkanal speichert Mischwässer, welche sonst bei starken Regenereignissen ungeklärt in die Mur abfließen würden und leitet diese Wässer zur Reinigung nach und nach in die Kläranlage. Der Zentrale Speicherkanal führt daher zu einer deutlichen Verbesserung der Wasserqualität der Mur.

Warum muss der Zentrale Speicherkanal jetzt errichtet werden?

Das Konzept des Zentralen Speicherkanals wurde 2006 entwickelt. Aufgrund der Synergien mit dem Murkraftwerk Graz – sowohl finanziell als auch hinsichtlich der Bauausführung und den Bewilligungen – bringt es viele Vorteile, diesen Kanal gleichzeitig mit dem Kraftwerk Graz zu errichten.

Gibt es eine gesetzliche Verpflichtung?

Im Wasserrechtsgesetz ist festgeschrieben, dass der sogenannte „Stand der Technik“ einzuhalten ist. Um diesen zu erreichen, ist es erforderlich, den Zentralen Speicherkanal zu errichten. Die derzeitige Situation, nämlich, dass im Durchschnitt das Abwasser von 28.000 EinwohnerInnen täglich ungeklärt in die Mur fließt, ist langfristig nicht tragbar.

Gibt es Alternativen zum Zentralen Speicherkanal?

Die möglichen Alternativen, wie beispielsweise mehrere Speicherbecken, zwei murbegleitende Speicherkanäle, aber auch die Auftrennung des Mischsystems, wurden mehrfach untersucht. Die technisch und wirtschaftlich beste Variante ist der Zentrale Speicherkanal.

Welche begleitenden Maßnahmen werden von der Holding Graz gesetzt?

Schon seit Jahren werden von der Holding Graz umfassende Maßnahmen zur Reduktion der Regenwassereinleitungen in den Mischwasserkanal gesetzt. So werden beispielsweise Mischkanäle aufgetrennt und bei Neubauten generell keine Niederschlagswässer mehr in den Kanal abgeleitet, sondern zur Versickerung gebracht. Diese Maßnahmen können den Zentralen Speicherkanal nicht ersetzen, aber wirkungsvoll ergänzen.

Was wäre, wenn das Kraftwerk nicht gebaut wird?

Die Aufgabe das Zentralen Speicherkanals ist die Reduktion der Gewässerbelastung der Mur durch die Mischwasser-Überläufe. Das bedeutet, dass der Zentrale Speicherkanal – im Gegensatz zum jetzigen Kanal – die Fäkalien von 28.000 GrazerInnen nicht mehr in die Mur schwemmt, sondern nach und nach in die Kläranlage nach Gössendorf transportiert. Daher ist es notwendig, dieses Projekt auch ohne Kraftwerk mittelfristig umzusetzen.

Wie hoch sind die Kosten?

Die Kosten des Zentralen Speicherkanals liegen bei rund € 81,4 Millionen.

Wie viele Bäume werden gefällt?

Der Zentrale Speicherkanal wird umgesetzt, um die Wasserqualität der Mur und somit das gesamte Stadtbild von Graz zu verbessern. In diesem Zusammenhang werden 839 Bäume gefällt, welche aber im Verhältnis 1:1 wieder angepflanzt werden. Das bedeutet, dass nach den Bauarbeiten wieder gleich viele Bäume an den Murufern stehen werden. Über dem ZSK dürfen übrigens beliebig große Bäume wachsen!

Was wird bezüglich des Tierschutzes unternommen?

Reptilien und andere geschützte Tierarten werden selbstverständlich mit umfassenden Schutzmaßnahmen umsorgt oder noch vor den Bauarbeiten umgesiedelt. Die Maßnahmen wurden mit den Naturschutzbehörden abgestimmt und sind Auflagen der behördlichen Bewilligungen. Insgesamt wird somit etwa eine Million Euro in den begleitenden Naturschutz investiert.

Gibt es gesonderte Veranstaltungen für AnrainerInnen?

Ja, je nach Baufortschritt werden die direkt betroffenen AnrainerInnen rechtzeitig verständigt und in eigenen Veranstaltungen umfassend informiert.

Wurden alle Bewilligungen eingeholt?

Wie schon für den bereits errichteten Abschnitt des Zentralen Speicherkanals (Kläranlage bis Hortgasse) wurden für das zukünftige Projekt alle erforderlichen Bewilligungen, insbesondere nach Wasserrecht und Naturschutzgesetz, eingeholt.

Gibt es Auswirkungen auf Hochwasser / Stadtklima / Luftgüte / Feinstaub / Grundwasser?

Der Zentrale Speicherkanal hat weder auf die Hochwassergefahr noch auf das Stadtklima, die Luftgüte, den Feinstaub oder das Grundwasser negative Auswirkungen. Positiv wirkt der Zentrale Speicherkanal sich jedoch auf die Wasserqualität der Mur aus, welche sich nach dem Bau stark verbessern wird.

Wird die Uferpromenade berührt?

Die Uferpromenade wird zwischen der Augartenbrücke und der Radetzkybrücke im Zuge der Errichtung des Zentralen Speicherkanals genutzt. Nach den Bauarbeiten wird die Murpromenade wiederhergestellt und nutzbar gemacht. Auch die 839 Bäume, die für die Bauarbeiten gefällt werden müssen, werden nach Fertigstellung des Kanals im Verhältnis 1:1 wieder ersetzt. Es geht also kein Baum verloren.

Kann die Baustelle besichtigt werden?

Es wird, abhängig vom Baufortschritt, regelmäßig Führungen auf der Baustelle geben.

Wie effektiv ist der Zentrale Speicherkanal?

Derzeit gelangt an rund 50 Tagen im Jahr Mischwasser (Regen- und Abwasser gesammelt) ungefiltert in die Mur. Mit dem Zentralen Speicherkanal wird die Anzahl dieser Tage um rund 80 % reduziert. Künftig tritt nämlich nur mehr an ungefähr 10 Tagen Mischwasser aus dem Kanal in den Fluss aus. Der ZSK reduziert die Menge der Schmutzfrachten, die aus dem Kanalnetz in die Mur gelangen, um etwa 50 %!

Welche Entlastungen werden an den ZSK angeschlossen?

Insgesamt gab es 38 Entlastungen entlang der Mur. Der bereits gebaute, erste Abschnitt des Zentralen Speicherkanals fasst drei dieser Entlastungen. An den bevorstehenden zweiten Abschnitt werden alle Entlastungen angeschlossen, die sich zwischen der Hortgasse und der Radetzkybrücke befinden. Das sind gesamt 17 Stück. Somit bleiben noch 18 Entlastungen entlang der Mur bestehen, wovon zwei bereits über einen ausreichend großen dezentralen Speicher verfügen und somit bereits am „Stand der Technik“ sind. Bei den verbleibenden 16 Stück handelt es sich um vergleichsweise kleine Entlastungen im Norden, die seltener und gleichzeitig weniger Schmutzfrachten in die Mur leiten.

  • 660.000 Kilogramm Schmutzstoffe werden jährlich unbehandelt in die Mur geleitet.
  • Schon gewusst? Der Zentrale Speicherkanal ist das größte Projekt der Stadt Graz für den Umweltschutz.
  • 94.000 Kubikmeter Mischwasser wird der fertige Kanal speichern können. Dieses Mischwasser wird dann in der Kläranlage in Gössendorf gereinigt und danach in die Mur geleitet.